Die bewegte Wirbelsäule
Kursinhalt
Mit moderner Faszien- und Bewegungstherapie, sowie Taiji und Qi Gong, behandeln, Haltung fördern und Bewegung entwickeln
Rücken- und Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im therapeutischen Alltag. Gleichzeitig zeigt die moderne Schmerzforschung, dass Schmerzen selten allein durch lokale Gewebestrukturen erklärt werden können. Erfolgreiche Therapie erfordert ein Verständnis für das Zusammenspiel von Gewebe, Nervensystem, Bewegung, Lebensstil und psychosozialen Einflussfaktoren.
Diese dreitägige Fortbildung verbindet moderne Faszienforschung, manuelle Therapie und Bewegungstherapie mit über 30 Jahren Erfahrung in asiatischer Körperarbeit wie Taiji, Qi Gong und Shiatsu.
Aus der langjährigen Verbindung dieser Ansätze entstand das von Didier Hartmann entwickelte CrossPhysio-Konzept. Es steht im Mittelpunkt dieser Fortbildung und verbindet faszienorientierte
Behandlungstechniken, japanische Elemente aus dem Shiatsu, aktuelle Erkenntnisse aus Schmerzund Bewegungswissenschaft sowie ausgewählte Übungen und Bewegungsprinzipien aus Taiji, Qi Gong und moderner Bewegungstherapie.
Die Teilnehmenden lernen nicht nur wirksame Behandlungstechniken für Beschwerden der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule kennen, sondern auch Strategien zur Förderung von Haltung, Gleichgewicht, Bewegungsqualität und Körperwahrnehmung. Praktische Übungen aus Taiji und anderen Bewegungsansätzen erweitern das Behandlungsspektrum für aktive Rehabilitation und Prävention.
Zugleich fördert das eigene Üben die Achtsamkeit und Körpermechanik des Therapeuten. Prinzipien aus dem Taiji wie Zentrierung, Aufrichtung, Gewichtsverlagerung und ökonomische Kraftübertragung können helfen, manuelle Techniken differenzierter und zugleich körperschonender auszuführen.
Der Kurs richtet sich an Therapeutinnen und Therapeuten, die ihre manuelle Arbeit mit effektiven, schonenden Bewegungsansätzen ergänzen und ihren Patienten langfristig zu mehr Beweglichkeit,
Belastbarkeit und Selbstwirksamkeit verhelfen möchten.
Tag 1 – Behandeln
Faszienorientierte Behandlung der Wirbelsäule einschließlich der ventralen Ketten
Der erste Kurstag widmet sich der faszienorientierten Behandlung von Beschwerden der Wirbelsäule. Dabei werden klassische manuelle Techniken mit ausgewählten Ansätzen aus der japanischen Körperarbeit kombiniert.
Erste Bewegungsprinzipien aus dem Taiji unterstützen die Teilnehmenden dabei, ihre eigene Aufrichtung, Gewichtsverlagerung und Kraftübertragung während der Behandlung bewusster
wahrzunehmen. Dadurch können sie ihre Körpermechanik verfeinern und die manuellen Techniken mit weniger unnötiger Anspannung ausführen.
Inhalte
• Einführung in das biopsychosoziale Schmerzmodell
• Faszienorientierte Behandlung entlang myofaszialer Spannungsketten
• Praktische Techniken für Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule
• Behandlung der ventralen Faszienketten als Ergänzung zur Wirbelsäulentherapie
• Manuelle Techniken für Bauchraum, Hara, Zwerchfell und Rippen
• Seitai- und Shiatsu-inspirierte Mobilisations- und Entspannungstechniken
• Atmung und Spannungsregulation als therapeutische Ressourcen
• Verständnis zentraler Einflussfaktoren bei chronischen Schmerzprozessen
• Taiji-Prinzipien auf die therapeutische Arbeit
Tag 2 – Haltung verstehen und fördern
Von der Haltungskorrektur zur Bewegungsqualität
Viele Patienten wünschen sich eine bessere Haltung. Die aktuelle Wissenschaft zeigt jedoch, dass eine gesunde Wirbelsäule nicht durch eine starre Idealhaltung entsteht, sondern vielmehr durch
Anpassungsfähigkeit, bewusstes Wahrnehmen des Körpers und Bewegungsvielfalt.
Der zweite Kurstag vermittelt ein modernes Verständnis von Haltung und verbindet aktuelle Erkenntnisse aus Physiotherapie, Bewegungswissenschaft und biopsychosozialer Medizin mit
Konzepten aus der japanischen Haltungskultur und dem Taiji und Qi Gong.
Ausgewählte Übungen aus Taiji, Qi Gong und moderner Bewegungstherapie machen erfahrbar, wie sich Haltung, Aufrichtung und Balance in der Bewegung fortlaufend organisieren und als
dynamische Fähigkeiten entwickeln lassen.
Die Teilnehmenden lernen, die Übungen an unterschiedliche Haltungsmuster und körperliche Voraussetzungen anzupassen. Der kreative Umgang mit Bewegungsrichtung, Standposition, Tempo
und Bewegungsumfang eröffnet vielfältige Möglichkeiten für Einzeltherapie, Prävention und Gruppenangebote.
Inhalte
• Was sagt die aktuelle Wissenschaft über Haltung und Schmerz?
• Warum Menschen häufig mehr von Bewegungsvielfalt als von Haltungskorrektur profitieren
• Haltung als Ausdruck von Atmung, Aufmerksamkeit und Körperorganisation
• Haltung aus körperlicher, neurophysiologischer und biopsychosozialer Perspektive
• Japanische Konzepte wie Shisei, Kamae und Tanden
• Dynamische Balance durch Taiji und Qi Gong Übungen
• Bewegungsvielfalt als Grundlage einer gesunden Haltung
• Einführung in moderne Bewegungskonzepte und Natural Movement
• Praktische Übungen zur Förderung von Aufrichtung, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Körperwahrnehmung
• Kreative Anpassung der Übungen an unterschiedliche Haltungsmuster und Fähigkeiten
• Strategien für Therapie, Prävention und Gruppenangebote
Tag 3 – Bewegungsqualität entwickeln
Bewegung als Therapie
Der dritte Kurstag widmet sich noch stärker der sanften, aktiven Seite der Therapie. Die Teilnehmenden erlernen und vertiefen ausgewählte Übungen aus Taiji, Qi Gong und moderner Bewegungstherapie, die sich einfach in den therapeutischen Alltag integrieren lassen.
Die langsamen und kontrollierten Bewegungen fördern Mobilität, Gleichgewicht, Körperwahrnehmung und Selbstregulation. Sie eignen sich sowohl für Schmerzpatienten als auch für ältere Menschen, Sportler, und für die Prävention.
Im Mittelpunkt steht nicht das starre Erlernen einer Form, sondern das Verständnis der zugrunde liegenden Bewegungsprinzipien und deren sinnvolle Kombination auf verschiedene Beschwerdebilder.
Die Übungen werden vereinfacht, variiert und neu kombiniert. Dadurch können sie gezielt an Beschwerden der Wirbelsäule, unterschiedliche Haltungsmuster, Balancefähigkeiten und individuelle therapeutische Ziele angepasst werden. So entsteht ein flexibler Bewegungsbaukasten für die Einzeltherapie, für Heimprogramme und als Grundlage eigener Bewegungs- oder Präventionsgruppen.
Inhalte
• Therapeutische Übungen aus Taiji und Qi Gong
• Erarbeitung einer kurzen Taiji-Bewegungssequenz
• Taiji Walking
• Bewegungssequenzen für Wirbelsäule, Becken und Schultergürtel
• Förderung von Haltung, Gleichgewicht, Koordination und Sturzprophylaxe
• Nervensystemregulation durch Taiji und Qi Gong
• 3-dimensionaler Bewegungsfluss statt isoliertem Muskeltraining
• Kreative Variation und Kombination einzelner Taiji-Bewegungen
• Anpassung der Übungen an unterschiedliche Beschwerden und körperliche Voraussetzungen
• Entwicklung einfacher Heimprogramme für Patientinnen und Patienten
• Grundlagen für den Einsatz der Übungen in eigenen Gruppenangeboten
Lernziele
Nach dieser Fortbildung:
• beherrschen Sie effektive faszienorientierte Behandlungstechniken für Beschwerden der Wirbelsäule.
• verstehen Sie die wichtigsten biopsychosozialen Einflussfaktoren bei Rücken- und Nackenschmerzen.
• verfügen Sie über ein modernes und differenziertes Verständnis von Haltung.
• können Sie praktische Übungen zur Förderung von Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung gezielt einsetzen.
• integrieren Sie Elemente und Bewegungsprinzipien aus Taiji und Qi Gong in Ihren therapeutischen Alltag.
• können Sie Übungen kreativ variieren und an unterschiedliche Haltungsmuster, Beschwerden und Zielgruppen anpassen.
• verfeinern Sie durch Achtsamkeit, Aufrichtung und verbesserte Körpermechanik Ihre eigene manuelle Arbeit.
Praxisteil
Der Schwerpunkt aller drei Kurstage liegt auf dem eigenen Erleben und der unmittelbaren praktischen Anwendung. Die Teilnehmenden üben die vorgestellten Techniken und Bewegungen gegenseitig und sammeln wertvolle Erfahrungen für die direkte Umsetzung in Praxis, Rehabilitationund Prävention.
Das eigene Üben der Taiji-Prinzipien schult dabei nicht nur die Fähigkeit zur Bewegungsvermittlung. Es fördert auch die eigene Wahrnehmung, Aufrichtung und Bewegungsökonomie und kann dadurch zu einer feineren, achtsameren und körperschonenderen therapeutischen Arbeit beitragen.
Bemerkung
Diese Fortbildung verbindet therapeutische Erfahrungen aus über 20 Jahren Physiotherapie mit langjähriger Praxis in Taiji, Qi Gong und Shiatsu sowie einer langjährigen Tätigkeit in Japan. Sie vereint moderne Wissenschaft mit ausgewählten Aspekten asiatischer Körper- und Bewegungskultur und vermittelt ein praxisnahes Konzept für die Behandlung und langfristige Begleitung von Menschen mit Beschwerden der Wirbelsäule.
Vorkenntnisse in Taiji oder Qi Gong sind nicht erforderlich.
Zur anschließenden Vertiefung stehen weiterführende Online-Kurse von Didier Hartmann zur Verfügung.

Physiotherapeut
Dozent und Autor
Gründer der CrossPhysio Faszientherapie und des Faszien Qi Gong
Ausbildung in traditionellen asiatischen Methoden durch Ajahn Lao Vongvilay
lebt und arbeitet in Kobe/Japan in eigener Praxis
Fortbildung für Physiotherapeuten, Masseure, Lymphtherapeuten, Ergotherapeuten, Trainer, Gesundheitscoaches sowie Mitarbeiter aus Wellness- und Gesundheitseinrichtungen.
Kursart
3-tägigKursdauer
von 09:00 – 17:00 Uhr